September 2026

„Mentoring ist ein Dialog, keine Einbahnstraße“

Gleiche Lebenserfahrung, unterschiedliche berufliche Wege: Kirsten Wanner und Christina Roth-Sauer sind beide 56 Jahre alt und bilden ein Tandem im Cross-Company-Mentoring der Universitäts-Gesellschaft Hamburg. Nach 37 Jahren bei der Haspa möchte Kirsten beruflich noch einmal durchstarten. Christina begleitet sie als Mentorin, Kirsten ist ihre Mentee. Im Gespräch erzählen die beiden, wie sie voneinander lernen, neue Perspektiven gewinnen und gemeinsam den nächsten Schritt angehen.

UGH: Kirsten, Sie haben bereits sieben Jahre als Filialleiterin gearbeitet, Ihre Kinder sind inzwischen erwachsen. Aktuell sind Sie Finanzberaterin. Was hat Sie dazu bewogen, sich für das Mentoring-Programm der UGH zu bewerben?

Kirsten: „Nach 37 Jahren bei der Haspa wollte ich neue Impulse für meine berufliche Weiterentwicklung bekommen. Das Cross‑Company‑Mentoring der UGH bietet mir die Möglichkeit, über die Grenzen meiner Filiale hinauszublicken, neue Perspektiven zu gewinnen und ein Netzwerk außerhalb der Haspa aufzubauen.“

UGH: Sie beide sind gleich alt, bringen aber unterschiedliche berufliche Erfahrungen und Perspektiven mit. Was lernen Sie gerade deshalb voneinander?

Kirsten: „Durch den Austausch mit Christina profitiere ich von ihrer langjährigen Erfahrung über Unternehmens‑ und Branchengrenzen hinweg. Unser gemeinsamer Blick auf das, was wir in über 30 Jahren im Berufs‑ und Privatleben erlebt haben, ermöglicht mir, meine eigenen Stärken gezielt einzusetzen. Zugleich kann ich realistisch einschätzen, wo ich noch wachsen kann. Das gegenseitige Reflektieren von Erfolgen, Stolpersteinen und privaten Herausforderungen schafft einen sicheren Raum, in dem ich kontinuierlich lerne, neue Perspektiven zu integrieren und meinen persönlichen und beruflichen Weg selbstbewusst zu gestalten.“

Christina: „Dem letzten Punkt kann ich nur zustimmen! Ich genieße diesen Raum sehr. Gerade das gemeinsame Alter mit den unterschiedlichen Perspektiven machen es so spannend. Mentoring ist immer ein Dialog, keine Einbahnstraße. Kirsten erweitert meinen Horizont genauso. Ich bewundere ihre Klarheit in der Entscheidung, den Weg zu gehen, und den Mut und die Energie, mit der sie ihn angeht.“

UGH: Wie ist aus dem ersten Kennenlernen ein vertrauensvoller Austausch geworden?

Kirsten: „Zu Beginn unseres Mentorings haben wir die Vertraulichkeit klar vereinbart. Als zwei Frauen mit langjähriger Berufs‑ und Lebenserfahrung schätzen und respektieren wir einander von Anfang an. Diese gegenseitige Wertschätzung bildet die solide Basis für einen offenen, wertvollen Austausch in einem geschützten Raum – wo wir sowohl berufliche Erfolge als auch persönliche Herausforderungen ehrlich und ohne Scheu besprechen können.“

Christina: „Als Personalberaterin bin ich es gewohnt, schnell eine gute Vertrauensbasis aufzubauen. Dazu gehört immer, auch Persönliches beizusteuern. Wir haben gleich zu Beginn über die Ziele, Wünsche und den Rahmen gesprochen. Damit haben wir Leitplanken, in denen wir uns sicher bewegen können.“

UGH: Christina, Sie begleiten seit zehn Jahren Menschen als Mentorin. Wie unterstützen Sie Kirsten dabei, eigene nächste Schritte zu?

Christina: „Kirstens Klarheit, dass sie den Weg gehen möchte, hat mich besonders angesprochen. Auch, dass sie schon Stolpersteine in der Entscheidung erlebt hatte. Mir war klar, dass ich helfen kann, bestimmte Perspektiven zu verstehen, und dass wir damit dann gemeinsam Lösungen finden können. Es ist ein Stück weit Sparring, auch ein bisschen Cheerleader sein, das gemeinsame Feiern von Erfolgen.“

UGH: Was hat sich durch das Mentoring für Sie bisher verändert?

Kirsten: „Durch das Mentoring habe ich deutlich mehr Selbstvertrauen gewonnen. Der offene Dialog hat mir gezeigt, dass ich an mich glauben kann, meine Stärken gezielt nutzen und gleichzeitig Herausforderungen realistisch einschätzen darf. So habe ich eine klare Orientierung gefunden. Jetzt gehe ich meinen beruflichen und persönlichen Weg mit mehr Zuversicht und Entschlossenheit.“

Christina: „Ich finde, du hattest die Entschlossenheit von Anfang an. Vielleicht ist es auch das Spiegeln, dass deine Erfahrungen gut sind und du darauf stolz sein solltest. Wir vergessen bei all der Förderung von jungen Talenten manchmal, wie wichtig und richtig auch die langjährige Erfahrung ist. Ich liebe es sehr zu sehen, dass Kirsten nie stillsteht und konstant lernt. Besonders, wie ihre Souveränität wächst.“

Das Interview führte Katrin Meyer.