Juli 2026

Lisa Zornow:
Zwischen Hörsaal, Klinik und Beachvolleyball

Lisa Zornow ist 18 Jahre alt und studiert im 6. Semester Psychologie – und damit deutlich jünger als die meisten ihrer Mitstudierenden. Bereits mit 15 machte sie ihr Abitur und schlug dann direkt einen akademischen Weg ein. Als Deutschlandstipendiatin der Universitäts-Gesellschaft Hamburg verbindet sie ihr Studium mit sportlichen Ambitionen und praktischer Erfahrung in Kliniken. Besonders schätzt sie die regelmäßigen Treffen mit ihren Förderern im Rahmen des UGH-Netzwerks.

Sie sind 18 und damit um einiges jünger als Ihre Mitstudierenden. Wie erleben Sie diesen Unterschied?

Tatsächlich bin ich erst einmal darauf angesprochen worden – offenbar fällt es kaum auf. Den Altersunterschied erlebe ich ja schon seit meiner frühen Sportkarriere und Schulzeit. Das hat mich bisher immer herausgefordert und bereichert.

Psychologie gilt als Studienfach mit vielen beruflichen Perspektiven. Welche Bereiche interessieren Sie heute besonders?

Ein breiter Fundus an Wissen ist die beste Grundlage für eine spätere Spezialisierung. Durch meine eigene sportliche Laufbahn interessiert mich besonders die Sportpsychologie als Experimentier- und Beobachtungsfeld. Aber auch Rechts- und Wirtschaftspsychologie finde ich spannend. Nach meiner Bachelorarbeit möchte ich diese Bereiche durch Praktika und Auslandssemester besser kennenlernen, bevor ich mich festlege. Vielleicht ergeben sich dabei auch ganz neue Möglichkeiten.

Sie haben bereits ein Praktikum in einer Reha-Klinik und einer kinderpsychiatrischen Tagesklinik absolviert. Was haben Sie aus diesen beiden sehr unterschiedlichen Erfahrungen mitgenommen? 

Ich hatte das Glück, in beiden Kliniken von sehr guten Psychologen und Ärzten begleitet zu werden und ihre praktische Arbeit hautnah mitzuerleben. Wenn man beide Arbeitsfelder vergleicht, finde ich Irvin D. Yaloms Zitat höchst treffend. „Jeder Mensch ist in gewisser Weise wie alle anderen Menschen, wie manche anderen Menschen und wie kein anderer Mensch.“ Das ist für mich auch ein schöner Leitspruch fürs Leben. Die Arbeit mit den Kids war sehr besonders, weil diese jungen Persönlichkeiten teilweise schon große Herausforderungen zu schultern haben. Trotzdem gab es viele Situationen, wo wir in kurzer Zeit sehr viel bewegen konnten. Bei den älteren Menschen ging es häufiger darum, neue Perspektiven zu bestehenden Herausforderungen zu finden. 

Als Deutschlandstipendiatin können Sie sich unter anderem mehr Zeit für Ihren Sport nehmen. Welche Rolle spielt Beachvolleyball für Sie als Ausgleich zum Studium? 

Meine Spielpartnerin und ich planen gerade unsere ersten internationalen Turniere. Nach der Bronzemedaille bei der U19-Deutschen Meisterschaft im letzten Jahr möchten wir auch bei der U20 wieder eine Medaille holen. Dafür braucht es Leistungssportbedingungen in allen wettkampfrelevanten Bereichen – entsprechend groß ist der Stellenwert des Sports in meinem Alltag. Gleichzeitig laufen Studium, Prüfungen und Praktika ganz normal weiter. Manchmal musste ich akzeptieren, dass Höchstleistungen in beiden Bereichen nur mit einem 30-Stunden-Tag möglichen wären. Das Deutschlandstipendium der UGH trägt wesentlich dazu bei, dass ich mich diesen Herausforderungen offensiv stellen kann. 

Sie treffen regelmäßig Ihre Förderer und andere Stipendiatinnen und Stipendiaten. Was nehmen Sie aus diesem Austausch mit?

Für mich lebt das Deutschlandstipendium vor allem vom persönlichen Austausch. Ich werde von der Familie Hübner gefördert, einem super herzlichen Ehepaar. Beide sind Juristen – Jura war vor meinem Studienbeginn tatsächlich meine zweite Option und interessiert mich bis heute. Auch der Austausch mit anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Mathematik, Medizin, Biologie oder International Management eröffnet mir immer wieder neue Perspektiven. Dazu kommen gemeinsame Aktivitäten wie Theaterbesuche oder Zaubershows – wohltuende Abende, die zwischen Studium und Beachvolleyball sonst oft zu kurz kommen. Für all diese Begegnungen und Erfahrungen bin ich Familie Hübner und der Universitäts-Gesellschaft Hamburg sehr dankbar.

Das Interview führte Katrin Meyer.