1.4.2026

Impulse für die UGH: Die neuen Beiratsmitglieder im Interview

Anfang 2026 hat die Universitäts-Gesellschaft ihren Beirat weiter verstärkt: Mit Dr. Hanna Proner von der ZEIT-Verlagsgruppe, Dr. Anna Hofmann von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und Dr. Alexander Schultze vom Universitäts-Klinikum Eppendorf sind drei neue Mitglieder hinzugekommen, die sich im Interview vorstellen.

Dr. Anna Hofmann: Wissenschaft und Demokratie im Dialog

Als Leiterin der Wissenschaftsförderung der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS setzt sich Anna Hofmann für die Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften sowie für den internationalen Wissensaustausch und die akademische Freiheit ein. Nach ihrem Studium in Krakau und ihrer Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin zog es sie nach Hamburg, wo sie seit 2008 die Wissenschaftslandschaft der Stadt aus Stiftungssicht mitgestaltet.

UGH: Was hat Sie persönlich gereizt, Teil des Beirats der Universitäts-Gesellschaft Hamburg zu werden?

„Der Beirat verkörpert für mich eine moderne Stadtgesellschaft. Ich freue mich besonders auf den Austausch mit so vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten. Diese bringen vielfältige berufliche Hintergründe und Perspektiven auf die Universität sowie den Wissenschaftsstandort Hamburg mit – das ist eine enorme Bereicherung.“

UGH: Welche Erfahrungen aus Ihrer beruflichen Arbeit möchten Sie besonders in die Arbeit des Beirats einbringen?

„Seit langem begleite ich intensiv die Förderung der Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften, wobei mir der interdisziplinäre Austausch und die internationale Vernetzung besonders am Herzen liegen. Die aktuellen globalen Krisen fordern gerade diese Fächer heraus. Ich möchte mich im Beirat daher verstärkt für die Zukunftsaussichten und die gesellschaftliche Relevanz dieser Disziplinen einsetzen.“

UGH: Wo sehen Sie aktuell die spannendsten Berührungspunkte zwischen Universität, Medien und der Stadtgesellschaft in Hamburg?

„Hamburg definiert sich als Welthafenstadt über Offenheit und Vielfalt – ganz im Sinne des ‚Tors zur Welt‘. Für die Hochschulen, Kultureinrichtungen und Unternehmen geht es heute darum, diese Offenheit sowohl lokal in den Stadtteilen als auch im globalen Rahmen zu verteidigen. Das ist besonders dort entscheidend, wo isolationistische und autoritäre Tendenzen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die internationale Zusammenarbeit bedrohen.“

UGH: Sie fördern Wissenschaft von Stiftungsseite: Welche Entwicklungen in der Forschung begeistern Sie derzeit besonders?

„In meinem beruflichen Umfeld steht momentan die Frage im Fokus, welche Rolle wissenschaftliche Institutionen und Forschende als Akteure in der Zivilgesellschaft einnehmen. Es wird viel – und zum Teil kontrovers – darüber diskutiert, was Wissenschaft leisten kann und in welchem Verhältnis sie zur Demokratie stehen muss. Diesen Diskurs über das Selbstverständnis der Wissenschaft und ihre Verantwortung für die demokratische Gesellschaft finde ich aktuell extrem spannend und wichtig.“

Dr. Hanna Proner: Neugier in Wirkung übersetzen

An der Schnittstelle von Wissenschaft, Medien und Talentförderung ist Hanna Proner seit vielen Jahren tätig. Als Direktorin Science & Talent beim ZEIT Verlag und Geschäftsführerin von academics bringt sie Forschende in die Öffentlichkeit und begleitet Nachwuchskräfte auf ihrem Weg. Mit Initiativen wie „Zia – Visible Women in Science & Humanities“ setzt sie sich zudem für mehr Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen ein.

UGH: Was hat Sie persönlich gereizt, Teil des Beirats der Universitäts-Gesellschaft Hamburg zu werden?

„Mich reizt, Wissenschaft in Hamburg nicht nur von außen zu beobachten, sondern mit zu ermöglichen – als verlässliche Förderung für Talente und Sichtbarmachung von Ideen. Die Universitäts-Gesellschaft ist für mich ein Ort, an dem Neugier in Wirkung übersetzt wird – daher bin ich gerne dabei.“

UGH: Welche Erfahrungen aus Ihrer beruflichen Arbeit möchten Sie besonders in die Arbeit des Beirats einbringen?

„Ich bringe zwei Perspektiven mit, die ich einbringen möchte: Die Verknüpfung von Wissenschaft und Medien sowie Wissenschaft und Talenten: komplexe Forschung präzise, verständlich und strategisch anschlussfähig zu machen und die richtigen Menschen zusammenzubringen – darum geht es mir dabei.“

UGH: Wo sehen Sie aktuell die spannendsten Berührungspunkte zwischen Universität, Medien und der Stadtgesellschaft in Hamburg?

„Dort, wo Wissenschaft Orientierung bietet und Talente für die Zukunftsfähigkeit der Stadt liefern kann. Wir als Medienhaus mit unseren publizistischen und verlegerischen Projekten – ob Print, Digital oder auch Podcasts – sind als Übersetzerin und Plattform immer relevantes Scharnier. Und mit academics sind wir Plattform für akademische Talente. Am spannendsten wird es immer dann, wenn die Stadtgesellschaft nicht nur zuhört, sondern mitdiskutiert und mitgestaltet.“

UGH: Sie bewegen sich zwischen Wissenschaft, Medien, Talentförderung und Podcast-Mikrofon – was macht Ihnen an dieser Mischung besonders Spaß?

„Die Mischung macht Spaß, weil alles mit drei zentralen Pfeilern zu tun hat, die mich antreiben: Neugier, Begeisterungsfähigkeit und Zuversicht. Wir verbinden bei der ZEIT Tiefe mit hoher Reichweite, einen kritischen Blick mit Zuversicht und sind essenzielle Bausteine der Demokratie. Wissenschaft schafft Erkenntnis – immer wieder neu: Auch Wissenschaftsfreiheit ist demokratierelevant. Was für ein Privileg, immer wieder frei zu entscheiden, wohin man genauer schauen möchte, um Dinge zu hinterfragen, voranzutreiben – und wie großartig, welche Schätze dadurch entstehen. Und Talentförderung schärft den Blick für Menschen und hat viel mit Zukunftsfähigkeit für alle zu tun – da steckt ganz viel Zuversicht drin. Am Podcast-Mikrofon kann ich der Neugier dann ganz praktisch nachgehen und Fragen stellen. Was will man mehr.“

Dr. Alexander Schultze: Freie Wissenschaft braucht überzeugende Stimmen

Als stellvertretender ärztlicher Leiter der Notaufnahme am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist Alexander Schultze täglich mit den Herausforderungen der akuten Patientenversorgung befasst. Darüber hinaus engagiert er sich in verschiedenen Gremien, unter anderem als Vorstandsmitglied der Ärztekammer Hamburg und im Verwaltungsrat des Medizinischen Dienstes. Im UGH-Beirat bringt er seine breite Erfahrung aus Medizin, Gesundheitspolitik und Gremienarbeit ein.

UGH: Was hat Sie persönlich gereizt, Teil des Beirats der Universitäts-Gesellschaft Hamburg zu werden?

„Der offene und lebendige Austausch zwischen Wissenschaft, Medizin und Öffentlichkeit ist mir ein großes Anliegen. Wir alle haben verschiedene Perspektiven auf die Fragen unserer Zeit. Die UGH kann ein Forum für einen fruchtbaren Austausch sein und damit eine Bereicherung für alle darstellen.“

UGH: Welche Erfahrungen aus Ihrer beruflichen Arbeit möchten Sie besonders in die Arbeit des Beirats einbringen?

„Durch meine Tätigkeit im Krankenhaus, der ärztlichen Selbstverwaltung und verschiedenen Gremien habe ich mir beispielsweise in der Pandemie viele Gedanken gemacht über den Raum, den Expertise bei demokratisch legitimierten Entscheidungen einnehmen kann oder sollte. Durch meine Arbeit in der Notaufnahme fällt es mir auch leicht nachzuvollziehen, was Virchow gemeint hat, als er die Medizin als eine soziale Wissenschaft eingeordnet hat. Zur Wahrheit gehört auch, dass ich einfach sehr gern mit Menschen an Lösungen arbeite.“

UGH: Wo sehen Sie aktuell die spannendsten Berührungspunkte zwischen Universität, Medizin und der Stadtgesellschaft in Hamburg?

„Die mannigfaltig begründete Finanzierungskrise der für Wissenschaft und Lehre notwendigen Rahmenbedingungen fällt zusammen mit einem Infragestellen der Legitimität freier Wissenschafts- und Bildungsinstitutionen durch einige Teile in der Gesellschaft. Wir müssen immer wieder klar und plausibel machen, warum Wissenschaft notwendig ist. Dafür sprechen zahlreiche praktische Gründe, aber auch abstrakte Wertvorstellungen, die für das Wesen unserer Zivilisation wichtig sind.“

UGH: Wann wird Wissenschaft für Sie persönlich besonders spannend oder relevant?

„Neben den wunderbaren Effekten epistemischer Neugier an sich, finde ich als Arzt immer wieder Fragestellungen besonders wichtig, bei denen es um konkrete Verbesserungen für das Leben und die Gesundheit von Menschen geht.“

Die Interviews führte Katrin Meyer.