25.11.2025, 18:30 Uhr
UGH zu Gast bei DONNER & REUSCHEL AG

Schuldenbremse

Vorträge 

Prof. Dr. Wolfgang Drobetz führte als Moderator in die Veranstaltung ein. Er stellte die Entstehungsgeschichte der deutschen Schuldenbremse dar und verwies auf die aktuelle politische Debatte um die Einrichtung von Sondervermögen. Oft diene die Schuldenbremse als Projektionsfläche für alles, was in Deutschland schiefläuft – von maroder Infrastruktur über zu geringe Fortschritte beim Klimaschutz bis zur Standortschwäche.

In seinem Impulsreferat ging Finanzsenator Dr. Andreas Dressel zunächst auf die sehr engen fiskalischen Beschränkungen ein, die Hamburg als Bundesland durch die Schuldenbremse auferlegt sind. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz, dessen Mittel zumindest teilweise an die Länder weitergereicht werden, sei daher dringend notwendig, um Investitionen in die vielfältige städtische Infrastruktur in Hamburg anzuschieben. Der Anteil Hamburgs aus dem Sondervermögen in Höhe von insgesamt 2,66 Milliarden Euro soll zügig investiert werden. 

Uwe Nebgen, Präsident der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, unterstrich die Bedeutung einer soliden Fiskalpolitik und tragfähiger öffentlicher Finanzen für die Stabilität der Wirtschafts- und Währungsunion. Bei der Verwendung des Sondervermögens müsse dringend auf die Zusätzlichkeit der Investitionen geachtet werden. Aktuelle Analysen der Bundesbank deuten allerdings darauf hin, dass ein großer Teil der für 2026 verplanten Mittel in den ordentlichen Haushalt verschoben und somit lediglich für ohnehin geplante Ausgaben verwendet wird. Perspektivisch sei es wichtig, die Bereichsausnahme für Verteidigung schrittweise in den Kernhaushalt zu überführen. Ansonsten drohe ein stetig ansteigender Schuldenstand des Staates und der Konflikt mit europäischen Schuldenregeln.

 Prof. Dr. Drobetz betonte in seinem Vortrag, dass die Schuldenbremse ordnungspolitischer Garant für eine nachhaltige Haushaltspolitik sei. Sie war kausal dafür verantwortlich, dass die deutsche Staatsschuldenquote in der Periode zwischen der globalen Finanzmarktkrise 2008/09 und dem Beginn der Corona-Pandemie deutlich zurückging. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass mehrere kleinere Nachbarländer durchaus in der Lage waren, eine nachhaltige Wohlstandsentwicklung mit niedrigen Staatsschulden zu vereinen. 

Carsten Mumm, Chefvolkswirt von Donner & Reuschel, betonte ebenfalls die Bedeutung einer verantwortungsvollen Fiskalpolitik im Sinne der Schuldenbremse. Er wies allerdings auch auf die positiven Effekte notwendiger öffentlicher Investitionen aus den aktuellen Sondervermögen für die ökonomischen Rahmenbedingungen zukünftiger Generationen hin. Aufgrund der aktuellen Schwäche des Dollars als globale Leitwährung sprach er sich außerdem für die Einführung einer risikolosen Anlage in Euro („Safe-Assets“) aus. Durch die Ausgabe sogenannter „Blue Bonds“ könnte ein einheitlicher Zinssatz für alle Eurostaaten geschaffen werden, wodurch sich die Refinanzierungskosten aller EU-Staaten senken und deren Krisenresilienz erhöhen würden. Diese europäischen Anleihen würden auch einen zentralen Baustein für eine europäische Kapitalmarktunion darstellen.

Den Vorträgen folgte eine lebhafte Diskussion und der persönliche Austausch bei Snacks und Getränken.

Referenten und Podiumsteilnehmer

Dr. Andreas Dressel

Senator und Präses der Behörde für Finanzen und Bezirke, Mitglied des Bundesrates

Dr. Andreas Dressel (* 6. Januar 1975 in Hamburg) ist seit 2018 Finanzsenator der Freien und Hansestadt Hamburg. Von 2011 bis 2018 war er Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft.

Dr. Dressel studierte Jura an der Universität Hamburg und war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Verwaltungslehre. Er promovierte 2003 zum Dr. jur. an der Universität Hamburg mit dem Thema Bürgerbegehren und Bürgerentscheid in den Hamburger Bezirken. Nach dem Rechtsreferendariat in Hamburg und Los Angeles legte er 2004 das Zweite Staatsexamen ab.

Prof. Dr. Wolfgang Drobetz

Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Hamburg

Wolfgang Drobetz ist seit 2006 ordentlicher Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Hamburg. Er promovierte in Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und habilitierte sich an der Universität Basel. Er lehrte Finanzmarkttheorie an der Bucerius Law School, der WHU Otto Beisheim Graduate School und der IAE Business School. Seine Forschungsinteressen umfassen Corporate Finance, Corporate Governance, Asset Management und Schiffsfinanzierung. Er ist Mitglied des Redaktionsbeirats mehrerer wissenschaftlicher Zeitschriften, war Co-Präsident der European Financial Management Association (EFMA) und ist Direktor des Hamburg Financial Research Center (HFRC e.V.).

Carsten Mumm

CFA, ist Chefvolkswirt und Bereichsleiter Asset Management bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL

Der gelernte Bankkaufmann und studierte Diplom-Volkswirt ist seit 1998 im Bereich Kapitalanlage beschäftigt – seit 2003 bei DONNER & REUSCHEL. 2006 qualifizierte er sich zum Chartered Financial Analyst.

Im Zuge der Fusion der beiden Bankhäuser CONRAD HINRICH DONNER in Hamburg und Reuschel & Co. Privatbankiers in München im Jahr 2010 führte Carsten Mumm die beiden Asset-Management-Einheiten mit Schwerpunkten in der Vermögensverwaltung für vermögende Privatkunden und für verschiedene institutionelle Anlegergruppen zusammen. Seit 2017 ist er zudem Chefvolkswirt des Bankhauses. Dabei verantwortet Mumm die hauseigenen Kapitalmarktmeinungen und -analysen. Er ist der Öffentlichkeit durch seine Auftritte in diversen Medien bekannt und vermittelt als gefragter Experte auf Veranstaltungen seine Sicht auf die Märkte.

Zwischen 2006 und 2009 war Carsten Mumm als Program Chair im Board der CFA Society Germany tätig. In der Folgezeit engagierte er sich als Industry Mentor im Rahmen der CFA Institute Research Challenge und war mehrfach Mitglied des nominating comittee der CFA Society Germany.

Seit 2017 ist er zudem Lehrbeauftragter an der International School of Management (ISM) und Mitglied des Verwaltungsausschusses des Versorgungswerkes der Rechtsanwälte Schleswig-Holstein.

Seit 2021 ist Carsten Mumm Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken.

Uwe Nebgen

Präsident der Hauptverwaltung in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig- Holstein für die Deutsche Bundesbank

Uwe Nebgen ist seit November 2024 Präsident der Hauptverwaltung in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig- Holstein für die Deutsche Bundesbank und verfügt über umfassende internationale Erfahrung. Zuvor leitete er die Repräsentanz der Bundesbank in Tokio, übernahm verschiedene Leitungsfunktionen im Zentralbereich Finanzstabilität und war sowohl in Tokio als auch in Brüssel in verantwortungsvollen Positionen eingesetzt. Seine Karriere ist geprägt von Fachkenntnissen in internationalen Beziehungen und Finanzstabilität.